"Überraschung!!!!!!" Oder auch nicht...

"Überraschungen sind toll! Die liebt doch jeder..."

Mal ehrlich, wer von uns wird denn nicht gerne hin und wieder mal überrascht?
Die Freude doch immer riesig groß! Ja...? Ganz sicher? Wirklich jedes Mal?

Ok, zugegeben, das klingt jetzt so als wäre ich ein absoluter Gegner von Überraschungen. Das bin ich nicht, keines Wegs. Im Gegenteil. So eine gut platzierte Überraschung kann durchaus gelingen und zu einem absoluten Highlight werden.

"Na prima! Dann schenk ich dem Brautpaar einfach eine Hochzeitssängerin zur Trauung."

Super Idee!
Blöderweise hatte Tante Ingrid (Name geändert) den gleichen Gedanken. Außerdem hat das Brautpaar noch als Überraschung für ihre Gäste eine Band in der Kirche gebucht.  

"Charleen, sowas passiert doch nicht wirklich. Da müsste es ja mit dem Teufel zugehen!"

Doch! Genau das ist mir bereits passiert und ich bin mir ziemlich sicher, dass der Teufel seine Finger dabei nicht im Spiel hatte. Gut, es war nicht ein und dieselbe Hochzeit, dennoch waren es beides keine angenehmen Situationen.

Situation Nummer 1:

Ich erschien, wie immer, eine gute Stunde vor Beginn einer Trauung in der Kirche. Nach einer kurzen und sehr netten Absprache mit dem Küster und Auftraggeberin Tante Ingrid, begab ich mich auf die Empore und startete mit dem Aufbau. Plötzlich öffnete sich die Tür und eine junge Dame trat ein. Sie ging auf den Küster zu und sagte die Worte die mir bis heute in den Ohren klingen: „Hallo, ich bin die Hochzeitssängerin. Wo darf ich mich denn aufbauen?“

Bäääm! Da war es passiert! Eine Hochzeit, zwei Sängerinnen! Und nun?

Mein erster Gedanke war: „Mist, habe ich mich vertan? Bin ich auf der falschen Trauung? Kann nicht sein, denn dann hätte Tante Ingrid, mit der ich ja eben gesprochen habe, auch ein Problem“

Zweiter Gedanke: „Vielleicht hat sie sich ja vertan?“ Genau so blöd. Denn dann würde jetzt irgendwo ein verzweifeltes Brautpaar sitzen und ihre Sängerin vermissen.

Einatmen, ausatmen, abwarten. Der Küster blickte etwas verwirrt in meine Richtung, zeigte mit dem Finger auf mich und sagte: „Sprechen Sie am besten mit der Dame da oben.“
Besagte Dame war natürlich ich.


Ok. Ich wartete also.
Es dauerte nicht lange da stand sie vor mir. Eine wirklich sehr sympathische junge  Frau – Jana (Name geändert).

Ich schilderte ihr die Situation und wir konnten beide herzhaft darüber lachen. Ein Glück! Sie war von einer Bekannten des Brautpaares und ich von Tante Ingrid gebucht worden.

Die völlig aufgelöste Tante Ingrid hatte logischerweise nichts davon gewusst. Wie auch?

War ja schließlich eine Überraschung.


Jana und ich einigten uns einfach im Wechsel die Lieder vorzutragen. Ich würde einen Song aus meiner und sie einen anderen aus ihrer Liste streichen. Da sich ein Song in der Auswahl sogar überschnitt, hätte sich keine bessere Lösung finden können. Katastrophe abgewendet.

Positiv anzumerken: Jana‘s Reaktion. Wir konnten das Problem wirklich sehr schnell lösen und niemand merke etwas.
Bonus: Ich hatte von nun an eine neue „Gesangskollegin“.
Einzig fader Beigeschmack: Doppelte Gage. Zwei Sängerinnen bedeuten eben auch zwei Gagen.

Leider läuft es nicht immer so rund und nicht jeder Künstler ist erfreut über „Konkurrenz“ (mehr zu dem Thema „Die Sache mit der Konkurrenz“ in einem anderen Artikel).

Situation Nummer 2:
Diesmal war ich diejenige, die an zweiter Stelle in die Kirche kam. Empfangen wurde ich von einer 4-köpfigen Band, die alles andere als erfreut war, mich dort zu sehen. Ihr dürft mir glauben, der Spruch: „Jemanden mit dem Blick zu töten“ bekam für mich in dem Moment eine ganz neue Bedeutung. Sie wurden vom Brautpaar als Überraschung für die Gäste gebucht.

Einigen konnten wir uns leider nicht. Alle Vorschläge meinerseits das Problem irgendwie zu lösen wurde kategorisch abgelehnt oder komplett ignoriert. Gegenvorschläge? Fehlanzeige. Einen Song weniger zu singen kam nicht in Frage.

...An dieser Stelle sei kurz gesagt, dass ich der Band den Vortritt gelassen hätte, denn selbstverständlich entscheidet einzig und allein das Brautpaar was an ihrem großen Tag passiert...

Nun gut. Aufgrund der hitzigen Situation bot ich schließlich an, nur die Anfahrt zu berechnen und das Feld zu räumen. Meine Auftraggeber, die Brauteltern, bestanden jedoch auch auf einen Auftritt meinerseits und zwar mit allen Songs – ebenfalls absolut verständlich.

Und so kam es, wie es kommen musste. Die Band und ich sangen fröhlich im Wechsel alle einstudierten Songs. Gemeinsam kamen wir auf sechs Titel. Die drei geplanten Kirchenlieder taten dann ihr Übriges und das Hochzeitskonzert war perfekt.

Positiv anzumerken: Profis sind zum Glück Profis (die Meisten zumindest). Von der etwas angespannten Lage zwischen uns Künstlern bekam niemand etwas mit.
Not so nice: Wieder das Ding mit der doppelten Gage.
Für mich aber das viel schlimmere Problem: Aus einer schönen einstündigen Trauung wurde ein langatmiges, nicht endendes „Traukonzert“ (Artikel folgt: Wie viele Songs empfiehlst Du?"). Obwohl das Brautpaar sich im Anschluss für meine Einlage bedankte, wurde ich die ganze Zeit das Gefühl nicht los, unerwünscht zu sein.

Mein Tipp für Euch:

Sprecht mich sehr gerne an, wenn ihr eine Überraschung für Eure Liebsten plant. Ich bin für alles offen und freue mich tierisch, wenn das Ereignis gelingt. Geht vorher ganz sicher, dass ihr über die Pläne und Wünsche Eurer Liebsten im Bilde seid und wenn ihr auf der sicheren Seite sein wollt, sprecht einfach direkt mit ihnen.

Sagt ihnen zum Beispiel, dass ihr ihnen gerne ein musikalisches Highlight schenken wollt. Sie werden sich sicherlich freuen und sehr dankbar sein. Schließlich sind Überraschungen immer eine von Herzen kommenden Geste.

Fazit:
Überrschungen sind toll! Die liebt doch jeder. Ihr solltet jedoch ganz sicher gehen, dass Tante Ingrid nicht eingeladen ist ;-)

Eure Meinung ist mir wichtig! Erzählt doch mal. Wie sind da Eure Erfahrungen und was haltet ihr von Überraschungen? Liebt oder hasst ihr sie? Ich bin gespannt :)

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